Gerade Gin-Neulinge tun sich manchmal schwer mit einigen Begriffen rund um den Gin. Hier können Sie schnell nachschlagen, was was ist. Was unter ‚Botanicals‘ zu verstehen ist, oder was der Unterschied zwischen einem London Dry Gin und einem Dry Gin ist.

Wir werden dieses Gin-ABC ständig erweitern.

Lexikon

Agraralkohol

Natürlicher Agraralkohol, also Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs ist die Grundlage eines jeden Gins. Dazu wird z.B. wie beim Bier eine Maische aus Getreide (z.B. Gerste oder Mais) oder auch Melasse (Zuckerrücken) produziert und zum Gären gebracht. Dieses Produkt wird dann in sogenannten Brennblasen erhitzt (gebrannt), sodass man hochprozentigen Alkohol gewinnt. Gin wird daraus, indem man unterschiedliche pflanzliche Stoffe (Botanicals) hinzugibt: Entweder durch direkte Zugabe der Botanicals in die Brennblase zur Maische oder indem man einen Korb mit Botanicals über die Maische hängt und der Alkoholdampf zieht dann dadurch. Manche Brennerei gibt die Botanicals auch erst nach Abkühlen des Alkohols hinzu.

Bildungstrinker

Gin-Trinker werden manchmal als Bildungstrinker bezeichnet, da Gin während der Ginwelle häufig von eher intellektuellen Genießern maßvoll getrunken wird, – während Wodka von den Wirkungstrinkern getrunken wird, denen es darauf ankommt, in kurzer Zeit eine Alkoholisierungswirkung zu erzielen.

Botanicals

Unter Botanicals versteht man die pflanzlichen geschmacksgebenden Zutaten im Gin. Neben den Wacholderbeeren sind dies häufig Zitrusfrüchte wie Zitrone oder Orange, Engelswurz und Iriswurzel, aber auch Lakritze, Zimt, Kreuzkümmel, Rosmarin oder Ingwer. Die Mischung der zugegebenen Botanicals und auch deren Herkunft ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal und Qualitätsmerkmal der einzelnen Gins. Die genaue Zusammensetzung wird meist nicht veröffentlicht, sondern nur einzelne Botanicals genannt. So sind z.B. beim Stobbe1776 Gin die Botanicals Bergamotte (eine Zitrusfrucht) und schwarze Johannesbeere als geschmacksgebend wesentlich.

Brennblase

Unter einer Brennblase versteht man die kupfernen Kessel, in denen der Gin gebrannt wird. Sehen häufig der Form nach aus wie große Zwiebeln. Werden auch Pott Stills genannt. Die großen, dickbäuchigen Brennblasen werden nach oben hin schmaler.

Dry Gin

Die Anforderungen an einen Dry Gin sind nicht ganz so hoch wie an einen London Dry Gin. Beim Dry Gin dürfen die Zutaten zu jeder Zeit in die Maische oder auch in den fertigen, abgekühlen Alkohol gegeben werden. Sogar naturähnliche Aromastoffe und Farbstoffe dürfen zugesetzt werden. Zuckerzusatz ist auch beim Dry Gin nicht erlaubt.

Fetimans

Einer der großen Hersteller von Tonic Water und Ginger Beer, die häufig in Gin-Mixgetränken verwendet werden. Die Firmengründung geht auf Thomas Fentiman (West Yorkshire) in 1905 zurück. 1960 musste das Unternehmen zunächst mangels Nachfrage geschlossen werden. Ein Urenkel gründete 1988 das Unternehmen neu und hatte einen großen Erfolg, auch in Kontinentaleuropa. Einige der Etiketten enthalten auch heute noch einen deutschen Schäferhund, der bereits 1933 die Etiketten zierte.

Genever

Kein Gin, sondern ein Gin-Vorläufer. Genever oder Jenever ist ein Wacholderschnaps niederländischer Herkunft (oder auch belgisch), der mindestens 35% Alkohol beinhaltet (Gin: 37,5%). Genever wird zumeist aus Gersten- oder Roggenmalz unter Aromatisierung mit Wacholder, Kümmel, Anis und Koriander hergestellt. Vermutlich hat Lucas Bols in den Niederlanden bereits im Jahr 1575 solche Spirituosen hergestellt. Die Herstellung unterscheidet sich vom Gin. Beim Genever wird zuerst etwas Bierähnliches, Malt Wine gebraut, z.B. aus Weizen, Roggen, Gerste oder Mais. Die Maische des Bieres wird destilliert und anschliessend mit einem Destillat aus Botanicals verschnitten. Bei einer dann folgenden nächsten Destillation kommen weitere Botanicals, häufig Hopfen hinzu.

Gin-Cocktail

Die Form, in der der Gin zumeist getrunken wird. Gin wird selten pur getrunken, im Regelfall in einem Gin-Cocktail. Neben dem Gin & Tonic gibt es zahlreiche Gin-Cocktails. Klassiker sind z.B. Gin Fizz, Gimlet, Tom Collins, Negroni, Gin Basil Smash u.a.

Gin-Fans

Wenn Sie Gin trinken, sind Sie in guter Gesellschaft: Auch Queen Mum, Winston Churchill und Humphrey Bogart waren wahre Gin-Fans und haben sich dazu bekannt. John Travolta tut dies noch heute.

Gin-Tasting

Bezeichnet die Verkostung von Gins. Häufig im Rahmen von Gin- oder Spirituosenmessen, so Gin-Freunde dann die Möglichkeit haben, mehrere Gins auszuprobieren. Gin-Tastings werden auch von Bars und Kneipen, Weihhandlungen und Spirituosenhändlern durchgeführt. Gin-Tastings sind aber auch bei Einladungen von Freunden immer beliebter. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts reichen häufig 5 bis 7 verschiedene Gins, die zumeist erst pur und dann im Rahmen eines Gin-Tonics oder eines anderen Cocktails ausprobiert werden.

Kalorien

Im Gegensatz zu vielen anderen Spirituosen hat Gin relativ wenig Kalorien. Ein 40%iger Gin hat z.B. nur 22,7 Kalorien pro 10 ml (1 cl).

London Dry Gin

Das bezeichnet weder die lokale Herkunft (London) noch ist es eine bestimmte Marke, sondern damit werden Gins einer bestimmten Herstellungsart bezeichnet, die u.a. auch in der EU-Verordnung zu Spirituosen aus 2008 festgelegt wurde. Dazu gehört u.a. eine mindestens dreifache Destillation, ein Mindestalkoholgehalt von 37,5%, pflanzlich-landwirtschaftliche Ausgangsstoffe wie Getreide oder Melasse, keine Zugabe von Zucker oder Farbstoffen und ein dominantes Wacholderaroma.Die Botanicals werden vor dem ersten Brennvorgang hinzugegeben.

Machandel

Unter Machandel wurde der erste Wacholderbrand vermarktet, den Peter Stobbe in der Gegend um Danzig bereits 1776 brannte. Die Bezeichnung Machandel geht zurück auf das niederländische Wort für Wacholder (Machandel), der auch im Genever Verwendung findet.

Navy Strength Gin

Darunter versteht man Gin mit einem besonders hohen Alkoholgehalt, häufig deutlich über 50%. Zurück geht das auf die Mitführung von Gin bei der britischen Marine vor hunderten von Jahren. Gin wurde fast als Grundnahrungsmittel mitgeführt, auch um Soldaten Mut antrinken zu lassen. Der Legende nach konnte über Schießpulver vergossener Gin auch dann die Zündfähigkeit des Schießpulvers nicht beeinträchtigen, wenn der Gin mindestens 57% Alkohol enthielt, – so entwickelte sich die Bezeichnung Navy Strength Gin oder auch Gunpowder Proof Gin.

New Western Dry Gin

Relativ junge Gin-Sorte, bei der die Wacholdernoten kaum noch herauszuschmecken sind und in den Hintergrund treten oder aber lieblich schmecken.

Old Tom Gin

Unterliegt keinen bestimmten Herstellungsvorschriften, sondern ist im Prinzip ein mit Zucker angereicherter gesüßter Gin, bei dem eine aufwändige Aromatisierung entfällt.

Regionaler Gin-Geschmack

Gin wird auf der ganzen Welt hergestellt, vor allen Dingen aber in Großbritannien, USA und Deutschland. Je nach Region mag man ihn etwas anders. Während spanischer Gin meist lieblich und süß ist, mögen Engländer ihn eher stark und wacholderlastig. Franzosen bevorzugen blumige Frische und Zitronenlastigkeit.

Plymouth Gin

Keine Brennart, sondern eine geschützte Herkunftangabe. Nur, wenn der Gin in der englischen Hafenstadt Plymouth gebrannt wurde, darf er sich so bezeichnen. Plymouth Gin verzichtet auf bittere Botanicals, ist süßer. Er wird auch mindestens 3x destilliert. Die Wacholdernote ist weniger ausgeprägt.

Reserve Gin

Normaler Gin wird nach dem Herstellprozess üblicherweise sofort in Flaschen gefüllt. Einige Hersteller stellen aber besondere Gins her, die z.B. nach dem Destilliervorgang noch in Holzfässern lagern. Der Gin nimmt bekommt dadurch eine besondere Farbe und Geschmack. Häufig werden solche Extra-Chargen nur in limitierten Auflagen verkauft. Durch die Fassreifung, häufig im Eichenfass, werden die Gins rund und weicher, was den Geschmack aufwertet. Solche fassgereiften Reserve Gins sind z.B. die Gins Stobbe 240 und Stobbe Basement.

Sloe Gin

Ist eigentlich gar kein Gin, sondern unter Sloe Gin versteht man einen auf Gin basierenden Likör, der mit Schlehenbeeren aromatisiert wurde. In Deutschland vor allen Dingen als Schlehenfeuer / Schlehenlikör bekannt.

Tonic Water

Neben Gin der Hauptbestandteil des Gin Tonic. Tonic Water ist im Prinzip ein Wasser, welches mit Kohlensäure und Chinin versetzt wird. Chinin wird aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnen und hat einen bitteren Geschmack. Manche Tonic Water enthalten noch Zucker und andere Stoffe. Britische Soldaten haben früher mit Chinin Fieber und Malaria bekämpft. Chinin ist der Bestandteil, der das Tonic Water und damit auch den Gin Tonic unter Schwarzlicht fluoreszieren lässt. Ein Effekt, der in Bars oder Discotheken häufig zu beobachten ist.